BDS Neujahresempfang 2012

Neujahresempfang 2012

Chancen für den Mittelstand in der Region und für europäische WirtschaftspolitikBdS/DGV-Neujahresempfang bot viele Diskussionsthemen

Wendelstein - Seit inzwischen 14 Jahrenist der „Neujahresempfang“ des Ortsverbandsdes Bundes der Selbständigen/Deutscher Gewerbeverband ein fester Bestandteil dergroßen Veranstaltungen zu Jahresbeginn in Wendelstein. Mit den Schwerpunkten derdiesjährigen Grußworte und dem Hauptvortrag von Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. RainerGömmel über Chancen und Hemmnisse für einegemeinsame europäische Wirtschafts-politik bot der diesjährige Empfang wieder viele Diskussionsthemen.


Bayernweit einmalig für solche Anlässe war die ökumenische Andacht in der St.Georgskirchewieder der Auftakt zum Neujahresempfang und „Hausherr“ Pfarrer Norbert Heinritz und seinkatholischer Kollege Diakon Kurt Reinelt stellten bei der Andacht die Geschichte des barmherzigen Samariters in den Mittelpunkt.Im benachbarten Martin-Luther-Haus übernahm danach fürden Gastgeber Otto Löprich als stellvertretender Vorsitzender im Ortsverband und mittelfränkischer Bezirksvorsitzender die Moderation des eigentlichen Empfangs, den die Röthenbacher Dorfmusikanten unter der Leitung von Erwin Kübler musikalisch bestens umrahmten. Für den BdS/DGV-Ortsverband oblag dabei Vorsitzendem Jürgen Seifert das erste Grußwortund er freute sich besonders über den neuen Teilnehmerrekord mit über150 Gästen. Diesehohe Akzeptanz bei den Selbständigen und Vertretern des Mittelstands in der Gemeinde sowie unter den Vertretern der Vereine gemeindeweit und auch in der Kommunalpolitik zeige, daß der Hauptzweck der Veranstaltung in Form der Kontaktpflege untereinander, der Suche nach gegenseitigen Anknüpfungspunkten und damit zugleich der gemeinsamen wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Stärkung der Heimatgemeinde Wendelstein Früchte trage.

Landrat und Bürgermeister einig: Der Staat versagt bei Breitbandversorgung total. Ein besonderes Lob galt zudem den Vereinen und allen im Ehrenamt Aktiven, da ohne die Vereineund das ehrenamtliche Engagement kein so breites kulturelles und gesellschaftliches Leben in der Gemeinde stattfinden könne. An vielen Beispielen zeigte nach ihm Bürgermeister Werner Langhans auf, daß sich Wendelstein stetig für eine gute Zukunft der Gemeinde starkmache, ob in der Betreuung der jüngsten Bürger oder als Schulstandort. Hart ging er dabei mitdem Freistaat und der Münchner Regierung zu Gericht, als er der Landesregierung „Versagenauf der ganzen Linie“ in der Breitbandversorgung vorwarf.„DerStaat lobt ‚Laptop und Lederhose‘aus als Symbol für das Bayern der Zukunft, läßt aber bei Aspekten der notwendigen Grundversorgung wie etwa dem Breitbandnetz die Gemeinden alleine und vor allem alleine zahlen.Als Pilotprojekt werden deshalb die Wendelsteiner Gemeindewerke mit Partnern bis Jahresende 2012 zunächst Kleinschwarzenlohe mit Breitbandnetzversorgen und in den Folgejahren sind die weiteren Orte in der Gemeinde in Planung. Auchdeshalb ist es für die Marktgemeinde ein Riesenglück, noch eigenständige Versorgungseinrichtungen wie die Gemeindewerke zu haben.

„Selbständig sein heißt etwas zu unternehmen und nicht nur über Probleme zu klagen“
Viel Lob für den Mittelstand und die Selbständigen in seiner Heimatgemeinde hatte Landrat Herbert Eckstein in seinem Grußwort parat und definierte die besondere Bedeutung von „selbständig sein“ mit „selbst etwas zu unternehmen, um etwas zu ändern und nicht nur andauernd über die aktuellen Mißstände zu klagen“. Wie zuvor Bürgermeister Werner Langhans rief auch der Landrat dazu auf, die auch von der Gemeinde Wendelstein aufzunehmenden Asylbewerberals Gäste aufzunehmen und sie soweit wie möglich und machbar am Leben in der Gemeindeteilhaben zu lassen.Wie sein Vorredner kritisierte der Landrat zudem die ungelösten Probleme bei der Breitbandversorgung im ländlichen Bereich und sah auch bei den Problemen mit der Umsetzung der Energiewende“ und bei der aktuellen Problematik der Asylantenunterbringung den Freistaat als Schuldigen: „Der Staat macht es sich leicht und beruft sich auf Gesetze und die unteren Verwaltungsebenen müssen und sollen ohne jede fachliche und finanzielle staatliche Unterstützungdann von heut auf morgen die Gesetze umsetzen und auf gut Glück improvisieren“ formulierte er deutlich seine Kritik an vielen derzeitigen politischen Entscheidungen in Bayern.

Ist eine gemeinsame europäische Wirtschaftspolitik überhaupt realisierbar?
Als Hauptredner des Empfangsbeschäftigtesich Prof. Dr. Rainer Gömmel aus Röthenbach beiSt. Wolfgang mit der Frage, ob ausder bisherigen Geschichte der verschiedenen europäischenWirtschaftssysteme seit 1945 heraus angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise in Europaüberhaupt eine europäische Wirtschaftspolitik realisierbar ist.Als Beispiele dienten ihm dabei die wirtschaftliche Neuordnung Deutschlands nach 1945 mit der „sozialen Marktwirtschaft“ als Idee von Ludwig Erhard und Frankreichs Wirtschaftsentwicklung auf der Basis von staatlich gelenkten „Fünfjahres-Plänen“.Den für das deutsche Wirtschaftssystem prägenden Faktoren mit staatlich unabhängigen Banken, einer weitestgehenden Preisstabilität und langfristig handelnden Verantwortlichen in der Finanz-und Wirtschaftspolitik stehen dabei als Analyse für das französische Systemdie stetigeInflation des „Franc“ als Landeswährung bis zur Euro-Währungsunion, die andauernde Abhängigkeit von wirtschaftlichen Fördermitteln aus dem Ausland und die große Zahl an Streiks in der französischen Arbeitswelt. Schon dadurchhatte der Referent zum Ende seines Vortrags enorme Bedenken, daß jetzt in dieser tiefgreifenden Krisensituation zwei so unterschiedlich geprägte europäische Wirtschaftssysteme auf einen gemeinsamen Nenner kommen.Vom europäischen Wirtschaftsstandort weg und hin zu bayerischen und regionalen Problemenführte das letzteGrußwort, das dem bayerischen BdS-Präsidenten Ingolf F. Brauner oblag. Daß Deutschland dabei seit den ersten „Fieberanfällen“ der europäischen Wirtschaftskrise immernoch auch heute relativgut dastehe ist seinen Worten zufolge der große Verdienst des Mittelstands, der bundesweit 97 % aller Unternehmen ausmacht. „Nur weil der Mittelstand bisher alle Notmaßnahmen des Bundes mitgetragen hat, steht Bayern und Deutschland immer nocherstaunlich gut da“ würdigte er zum Abschluß die Selbständigenbei seiner Rede.(jör)